Begegnung vom 23.02.2011
mit Tilman Michael





„Er ist immer da – aber nur wenige kennen ihn“. Mit diesen Worten stellte Operndramaturgin Dr. Regine Elzenheimer den Gast vor, der die Freunde und Förderer des Nationaltheaters bei der jüngsten „Begegnung mit ...“  in Bann schlug. Die Rede ist von Tilman Michael, dem Direktor des Mannheimer Opernchors, der zur Freude seines Publikums nicht alleine gekommen war. Er hatte den Damenchor mitgebracht, der mit a-Capella-Vorträgen und einem der großen Chöre aus Tschaikowskis „Eugen Onegin“ die Theaterfreunde begeisterte.

Als „Kraftwerk der Gefühle“ gilt der Opernchor, dieses zweite große Kollektiv des Musiktheaters neben dem Orchester, dem sich Tilman Michael verschrieben hat. Aufgewachsen in einer der Musik nahen Familie, sang er selbst schon als Zehnjähriger in einem Chor. Er lernte Stuttgarter Chöre kennen, den Tölzer Knabenchor, den Leipziger Gewandhauschor, ohne dass ihm der Gedanke gekommen wäre, sich zum Gesangssolisten zu entwickeln. Bei Besuchen der Stuttgarter Oper, die er während der Intendanz Klaus Zeheleins erlebte, wuchs das Interesse am Opernchor. Nach dem Studium in Köln, einer ersten Tätigkeit als Chordirektor in Hamburg, der Assistenz in Bayreuth, leitet Tilman Michael seit 2007/2008 den Mannheimer Opernchor. Dort hat er es mit fünfzig Menschen, mit fünfzig Persönlichkeiten zu tun, „manchmal als Löwenbändiger, manchmal als guter Hirte“. Er steht während der Aufführung auf der Seitenbühne, „vor allem, um dem Chor Sicherheit zu geben“. Steht er bei seiner Tätigkeit zwischen Dirigent und Regisseur sozusagen zwischen zwei Fronten? Ein Gesamtkunstwerk müsse entstehen, erwidert Michael, der Chor müsse bei der Regie voll mitgehen, die Chorsänger seien alles andere als tönende Statisten. Mit der Entwicklung des Regietheaters habe sich auch die Aufgabe und die Ausbildung des Chorsängers verändert, hin zum vollwertigen Sänger. Bei großen Opern tritt in Mannheim der Extrachor aus Laiensängern zum Hauschor der Profis hinzu. Für den Chordirektor bedeutet dies noch mehr Energie, noch mehr Zeitaufwand. Ohnehin steht der Opernchor nach den Bekundungen Michaels als Folge der hohen Anforderungen des Mannheimer Spielplans kurz vor der Belastungsgrenze. „In Mannheim muss jeder Chorsänger bei 35 Stücken wissen, was er wo zu tun hat“. Bei aller Liebe zur klassischen großen Oper ist Michael und ist sein Chor auch aufgeschlossen für die zeitgenössische Musik mit ihren ungewohnten Taktfolgen und neuen musikalischen  Idiomen, wie demnächst bei Sciarrinos lange erwarteter  „Superflumina“: „Niemand will immer das Gleiche machen“.

Preise
Eintritt zu Begegnungen
10,- €

Für F&F Mitglieder Eintritt
frei !

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Begegnung vom 23.02.2011 mit Tilman Michael


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