Sven Prietz
Arnold-Petersen-Preisträger 2007

Die Begründung der Preisverleihung:
Im Theater erleben wir den Menschen häufig als Heillosen, immerzu hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Gefühl. Niemand kann sich hier seiner Identität sicher sein. Schon gar nicht jene, die offenbar zu kurz gekommen sind, für die das Leben nur Abhängigkeiten bereit hält, um die man sich ständig bemühen muss.
Wie solches Buhlen um die Gunst der Erfolgreicheren aussehen kann, hat der 1972 in Leipzig geborene Schauspieler Sven Pritz als Hofmarschall von Kalb in Schillers „Kabale und Liebe“ und als Kammerherr Marinelli in Lessings „Emilia Galotti“ bewundernswert deutlich vorgeführt. Sein Spiel zehrt von unerfüllten Sehnsüchten. Entsprechend findet er den Zugang zu beiden Figuren nicht über das Spektakuläre, sondern über das Alltägliche. Liebenswerter werden sie dadurch nicht, aber begreifbar in ihrem Entscheiden und Handeln. Zumal dann, wenn sie Sinn und Instinkt für Abgründe beweisen müssen.
Sven Prietz, ausgebildet an der Bayerischen Theaterakademie, nach München und Frankfurt nun seit Beginn der Spielzeit 2006/07 Mitglied des Schauspielspiel-Ensembles am Mannheimer Nationaltheater, hat die Jury überzeugt, weil ihm das Untertänige seiner Rollen nie selbstverständlich ist. Im notwendig leisen Widerspruch zu dem, was ihm zugemutet wird und was er größtenteils längst verinnerlicht hat, lässt er im Spiel unausgesprochen Wahrheitsmomente sichtbar werden, die der jeweilige Dichter bei diesen Figuren vielleicht sogar lieber verschwiegen hätte.
Die Wahl für 2007 fiel einstimmig auf Sven Prietz.
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