Begegnung vom 21.11.2007 mit Sven Prietz
So kurz die künstlerische Vita von Sven Prietz bislang ist – so lang ist die Liste der Rollen, die der Träger des diesjährigen Arnold-Petersen-Preises innerhalb von nur einer Spielzeit im Mannheimer Schauspiel präsentiert hat. Die „Freunde und Förderer des Nationaltheaters“ vernahmen es bei der letzten „Begegnung mit …“ und erinnerten sich: an den Marinelli in „Emilia Galotti“, an den Hofmarschall Kalb in „Kabale und Liebe“, an den Einstein in „Die Physiker“, an den Bernard in „Tod eines Handlungsreisenden“, an den jungen Schauspieler in „Ruhe vor dem Sturm,“ und… und… und …
Der junge Sven Prietz, dessen sächsische Herkunft vielleicht im privaten Umgang aber ganz gewisss nicht auf der Bühne zu ahnen ist, hatte gerade die Schauspielschule in München absolviert und durchlebte sein erstes Engagement in Frankfurt, als Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski ihn mit der Aussicht, viele Rolle spielen zu dürfen, nach Mannheim lockte. So kam es denn auch. Dabei hatte Prietz an der Polytechnischen Oberschule in Leipzig noch gar nicht so recht gewusst, welchen Beruf er ergreifen sollte. Den des Fotografen ? des Malers ? Moderator Ingoh Brux, Mannheims stellvertretender Schauspielchef, entlockte ihm im eher familiären Gespräch die Schlüsselszene, die ihn schließlich zu seinem heutigen Beruf brachte. In der Schulklasse sollte eine Szene gespielt werden, deren Benotung ins Zeugnis eingehen sollte, und in der von einer Klassenkameradin eine Krankenschwester so schlecht gespielt wurde, dass er die Rolle an sich riss und die Krankenschwester spielte. Sein Lehrer habe ihm danach nur zugerufen: „Vergiss die Malerei – melde dich bei der Schauspielschule an!“
Sven Prietz wurde Schauspieler und entdeckte seine Liebe für die Klassik. „Die Sujets der Alten sind einfach immer besser, die Shakespeare-Dramen sind eben spannender als die neuen Stücke“, und „Im klassischen Drama kann sich der Schauspieler besser präsentieren als bei den Gegenwartsautoren“. So tritt er demnächst im „Clavigo“ auf, aber auch in der Uraufführung von „Jetzt und in alle Ewigkeit“ des Mannheimer Hausautors Christoph Nußbaumeder.
Hat Prietz Vorlieben für bestimmte Autoren? Er schätzt besonders Shakespeare und Schiller, aber eine Wunschrolle, nein, die ha er nicht. Von der Rolle, die man sich selbst erträume, bleibe nach dem, was der Regisseur daraus mache, vielleicht nichts mehr übrig, meint er. „Deshalb verbiete ich mir eine Wunschrolle.“ Wie nahe ihm Mannheim und Schiller schon gekommen sind, verriet die Auswahl von wenig bekannten, alten Texten, die er den „Freunden und Förderern“ noch vortrug : Schillers Bericht über die Mannheimer Schaubühne in seiner „Rheinischen Thalia“, das Protokoll einer außergewöhnlichen Theatersitzung unter Vorsitz des Freiherrn von Dalberg anno 1784 oder die Absage des Buchhändlers Schwan, Vater einer hübschen Tochter, an den Theaterdichter Friedrich Schiller „Als Poet ins Blaue hinein soll man nicht heiraten wollen….“ 
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