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Begegnung vom 23.04.2008 mit Prof. Claus Helmut Drese
Was das Temperament betrifft, hier kann es der 86-jährige Theatermann mit vielen Jüngeren aufnehmen. Im Gespräch mit dem Operndramaturgen Roland Quitt begeisterte der frühere Mannheimer Dramaturg die Zuschauer. Mit Staunen vernahm man, dass er 1952 als einziger Dramaturg für alle Sparten des Nationaltheaters zuständig war, zusätzlich noch Gedenktage ( Dahlberg, Schiller, Iffland ) und Lesungen organisierte und nebenbei noch an der Volkshochschule Vorlesungen abhielt. Dies alles zusätzlich zur Betreuung des Theaterneubaus.
Prägend wurden die Mannheimer Jahre ( „die entscheidenden beruflichen Jahre meines Lebens“ ) durch das Vorbild des damaligen Intendanten Schüler, der sein Bild des idealen Intendanten durch seine Führungsqualitäten, sein Organisationstalent, seine Vielseitigkeit und künstlerische Offenheit prägte. Seiner Meinung nach sollte ein guter Intendant ein guter Dramaturg sein, der weiß, was er spielt, wenn er etwas spielt und warum er es spielt. Drese machte national und international Karriere als Generalintendant ( Köln ) und Opernintendant ( Zürich, Wien, Athen ). Dabei lagen seine Anfänge gar nicht im musikalischen Bereich, in Mannheim begannen erste Annäherungen, die in Wiesbaden intensiver wurden und letztendlich zu zahlreichen Operninszenierungen im Laufe seines künstlerischen Lebens führten.
Vorzüglich geleitet von Roland Quitt ging Drese auf die Nachkriegsphase der deutschen Theater ein, die von einem großen Nachholbedarf geprägt war, einmal in Bezug auf die Stücke ausländischer Autoren, dann aber auch auf die nachträgliche Anerkennung deutscher Autoren und Komponisten, die im Dritten Reich verboten und teilweise vertrieben worden waren. Die 68er Jahre sah Drese im Rückblick mit positiven Aspekten, da hier teilweise „Eis gebrochen“ wurde; unter seiner Ägide konnte sich zum Beispiel Hans Günter Heyme entfalten. Er warnte allerdings davor, das historische Bewusstsein zu verlieren und plädierte für die Achtung der Sprache, man soll Sprache hören, mit Sprache umgehen, Sprache genießen.
Im zweiten Teil des Abends las Drese aus seinem Buch „Erlesene Jahre 2007-1932“ (Dittrich Verlag, Berlin) mehrere Kapitel. Der Leitfaden des Buches sind die 160 wichtigsten Bücher seines Lebens, um die herum sich Begegnungen mit Orten und Personen gruppieren, Mannheim und Heidelberg finden sich mit positiven Reminiszenzen. Die Herzen der Besucher gewann Drese vollends mit seiner Aussage, dass sich das Mannheimer Publikum durch seine Begeisterungsfähigkeit und auch seine Lernfähigkeit positiv von den Theaterbesuchern anderer Städte unterscheidet.
Geduldig signierte unser Gast am Ende noch seine Bücher, die sicherlich bei den Beteiligten noch lange das Andenken an diesen spannenden Abend aufrecht erhalten werden.
Zum Bedauern von uns waren viel zu wenige Bücher zur Begegnung mit Prof. Drese da. Der Poststreik hatte die Auslieferung verzögert. Ab sofort ist sein am Abend vorgestelltes Buch „Erlesene Jahre 2007 – 1932“ im Büchershop des NT erhältlich.

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|  Begegnung vom 23.04.2008
mit Prof. Claus Helmut Drese
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