 |
 |
Begegnung vom 20.01.2010 mit Nicole Berry
Nicole Berry ist ein waschechtes Mannheimer Kind, sie ist offen, temperamentvoll, sagt, was sie denkt, und hängt an ihrer Heimatstadt. „Ich würde nie von Mannheim weggehen“ war ihre deutliche Aussage im Gespräch mit Ingoh Brux. Seit 18 Jahre ist sie Mitglied und seit dieser Spielzeit auch Leiterin der Beleuchtungsabteilung am Nationaltheater Mannheim: die erste Frau in dieser Position. Zuvor hat sie die dafür notwendige klassische Ausbildung – eine Elektrolehre – durchlaufen. Die Aussicht auf eine gesicherte Position führte zu einer Bewerbung am Nationaltheater, wo sie unter der langjährigen Anleitung durch das Ehrenmitglied des Nationaltheaters Eduard Roth in ihre jetzige Position hineinwuchs. Ingoh Brux verstand es geschickt, im Gespräch die schwierige Materie der Beleuchtung gemeinsam mit Nicole Berry verständlich und nachvollziehbar darzustellen.
Für die Beleuchtung stehen buchstäblich hunderte unterschiedlicher Lichtquellen zur Verfügung, über deren Einsatz und Positionierung bei jeder Inszenierung neu entschieden werden muss. Das einmal festgelegte Muster wird dann gespeichert und jeweils am Abend vor der entsprechenden Vorstellung beim so genannten „Einleuchten“ wiederhergestellt.
Für das so genannte Grundleuchten und für die Beleuchtungsproben ist ein großer zeitlicher Aufwand – mehrere Tage – erforderlich, das Einleuchten am Abend wiederum dauert im Schauspielhaus dann nur noch etwa eine Stunde. Die Scheinwerfer werden teilweise per Hand bedient, die so genannten „moving lights“ hingegen können vom Stellwerk aus bedient werden. Je nach Inszenierung sind bei einer Produktion im Ablauf 40 – 150 Lichtwechsel notwendig. Im Schauspiel erfolgen die Zeichen für diese Wechsel im Stellwerk anhand des Textbuches oder szenischer Abläufe, während sie in der Oper durch einen Beleuchtungsinspizienten bzw. im Ballett durch die Stage Managerin anhand des Klavierauszugs oder gekoppelt an bestimmte Bewegungsabläufe gegeben werden.
Interessant war zu hören, dass die Beleuchtungsmeisterin von Anfang an am kreativen Prozess beteiligt ist. Hierbei müssen Wege gesucht werden, um die Wünsche des Bühnenbildners und des Regisseurs mit den technischen Möglichkeiten der Beleuchtung zu koordinieren. Die Beleuchtung ist dabei ein gleichwertiges künstlerisches Mittel, da durch sie Akzente und Stimmungen erzeugt werden, die den Gesamteindruck der Inszenierung mitbestimmen. Dabei bestehen laut Nicole Berry Unterschiede des Herangehens in der Oper und im Schauspiel: im Schauspiel ist es wichtig, die Mimik der Akteure deutlich zu zeigen, während in der Oper das Licht vorwiegend zur Atmosphäre der Inszenierung beiträgt. Nicole Berry schilderte mit sichtbarer Begeisterung ihre vielfältigen Aufgaben, darunter so reizvolle Herausforderungen wie die Zusammenarbeit mit Calixto Bieito bei einem Gastspiel in Barcelona sowie bei der Inszenierung der Lulu am NT Mannheim. Die Zuhörer hatten den bestimmten Eindruck, dass mit Nicole Berry die richtige Frau am richtigen Platz ist.

|
|
|




|



|