Begegnung vom 15.07.2009
mit Marie-Belle Sandis


Ein Hauch von Frankreichs Charme wehte durch den Anna-Reiss-Saal, in dem die Freunde und Förderer des Nationaltheaters ihren Mitgliedern eine Begegnung mit Marie-Belle Sandis ermöglichten. Die Sängerin – eines der beliebtesten Mitglieder des  Ensembles – gehört dem Nationaltheater seit sechs Jahren an. Doch erst jetzt konnte der viel beschäftigte Mezzosopran für einen Abend gewonnen werden. Und wie schon bei so mancher Begegnung, wurde auch dies ein Abend voller Überraschungen.

Gleich zu Anfang bekannte Marie-Belle Sandis: Ihr Beruf wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. Sicher, es gab eine frühe musikalische und Tanz-Ausbildung. Aber als Lebensberuf war das nicht gedacht. Ihr Vater, von Beruf Ingenieur, legte Wert auf eine gediegene Ausbildung in einem Beruf, „von dem man leben konnte“. So studierte Marie-Belle, in Marseille geboren, das Ingenieur-Fach, das sie als Diplomingenieur abschloss.  Sie arbeitete im Verkauf eines international tätigen Computer-Herstellers. Die Musik hatte sie mit 18 Jahren aufgegeben. Doch jetzt begann sie wieder zu singen, im Chor. Man wurde auf ihre Stimme aufmerksam, und Marie-Belle entschloss sich zu Gesangsunterricht – mit 26 Jahren ! Da die Altersgrenze für ein Studium an der Musikhochschule schon überschritten war, lernte sie an Opernstudios in Paris und Lyon. Auch Moderator Professor Dr. Klaus-Peter Kehr konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als Marie-Belle auf ein großes, schließlich aber überwundenes Hindernis zu sprechen kam: „Meine Zunge ist zu groß für meinen Mund …“  Also Training, Training, Training.
Ihre erste Rolle sang sie in der Opera Comique in Paris, in der Uraufführung einer zeitgenössischen Oper „Das Thermalbad“. Gesungen wurde in der Badewanne, „im Badeanzug, ich musste aufstehen, es war total lächerlich, es war die Hölle!“
Ihr erstes festes Engagement führte sie 2002 nach Gelsenkirchen. „Von Paris nach Gelsenkirchen – das war ein Schock. Der erste Schock.“ Den zweiten bescherte ihr ein Jahr später Mannheim: 16 Rollen im ersten Jahr! Aber es waren Rollen, „von denen kann man in Frankreich nur träumen …“ Hosenrollen  wurden ihr Sänger-Schicksal. Cherubino, Octavian, der Komponist in „Ariadne“, der Cecilio in „Lucio Silla“  - wie spielt man als Frau einen Mann?  „Ich versuche, weibliche Haltung zu vermeiden – männliche Bewegungen zu lernen, kleine feine Gesten – ich kann mich in alles hineindenken, ich kann mich sogar als Hund denken – ja, im „Schlauen Füchslein“ denke ich, ich bin ein Hund …“

Sie hat schon mit vielen Dirigenten gearbeitet. „Mit Adam Fischer ist es einfach toll.“ Ihr liebster Komponist ist Mozart, vor allem seine frühen Werke, auch Händel ist ihr nah, sie liebt Rossini. Sehr gern würde sie die Cenerentola singen. Welche wundervolle Lied-Stimme in dieser Künstlerin wohnt, erlebte das begeisterte Publikum bei ihrer Lied-Auswahl mit Kompositionen von  Händel und Berlioz. Ihr Vortrag, äußerst einfühlsam begleitet von Stephen Marinaro, endete mit einer koloraturrreichen Arie aus der Rossini-Oper vom Aschenbrödel.

Preise
Eintritt zu Begegnungen
10,- €

Für F&F Mitglieder Eintritt
frei !

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Begegnung vom 15.07.2009
mit Marie-Belle Sandis



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