Begegnung vom 31.01.2006 Einladung nach Südamerika Der Tenor Francesco Petrozzi zu Gast bei den Theaterfreunden
Zwei Konstanten gab's bei der jüngsten Begegnung der Theater-Freunde - Christiane Plank als Moderatorin und Stephen Marinaro als Klavierbegleiterund einen italienischen Tenor, der ein ganzes Füllhorn an Überraschungenbereit hielt.
Francesco Petrozzi, von der Münchner Staatsoper nach Mannheim gekommen("als Regula rief, konnte ich nicht widerstehe"), verblüffte das Auditorium schon bei der ersten Filmeinspielung. Da schlenderte einblendend aussehender junger Latino wie Rex Gildo selig eine Showtreppeherunter, einen Popsong auf den Lippen. Ja, meinte Petrozzi, das sei einpaar Jahre und ein paar Kilo her, aber er sei in seiner peruanischen Heimat ein recht populärer Pop-Star und TV-Produzent gewesen.
Folgte ein langer Einblick in die farbige Vita: großbürgerliche Familie italienischer Herkunft, Vater Admiral, an der Uni (Jura) Gewinn eines Gesangsstipendiums in Deutschland, vom Münchner Gesangsprofessor Hanno Blaschke nach Würzburg geschickt, dort Diplomerworben, Heimweh nach Peru und dort Ausbruch der obigen Karriere.Nebenbei ein faszinierendes Kolleg über die gesellschaftspolitischen Umbrüche in Peru von der Diktatur zur Demokratie, keine Rede mehr voneiner europäischen Gesangskarriere.
Als der erfolgreiche TV-Star Petrozzi 30 wurde, erkrankte er an Krebs und gelobte, im Falle der Genesung wieder zu singen. Rückkehr nach München, Studien bei Blaschke, mit 34 Jahren Neustart in Passau, dann Essen und München. Lange Jahre war "La Bohème" seine Oper: "Ich könnte heute noch als Musetta einspringen." Inzwischen geht die Reise eher Richtung Verismo- Turiddu, Don José, Andrea Chenier. Derzeit ist die Vorfreude groß aufdie Titelrolle in Edouard Lalos "Fiesque", eine Weltpremiere nach 150Jahren!
Francesco Petrozzi kann seine Talkmaster-Vergangenheit nicht leugnen. Erplaudert spannend und amüsant über Regisseure, Ensemblearbeit, die Inka-Stadt Machupichu. Nebenbei ist er ein Meister des Flirts mit dem Publikum. Dennoch sollte man den emphatischen Ausruf "Ihr seid alle nach Peru eingeladen!" vielleicht nicht allzu wörtlich nehmen. Der musikalische Teil des Abends geriet ähnlich farbig wie die Plauderstunde. Von Stephen Marinaro stilsicher begleitet, sang Petrozzi die Blumenarie aus "Carmen", eine feurige Zarzuela-Arie und zwei neapolitanische Kanzonen. Viel Applausfür einen kurzweiligen Abend.
Text: Waltraud Brunst, Mannheimer Morgen, 02. Februar 2007 
Begegnung mit Francesco Petrozzi
Selten war eine Begegnung so abwechslungsreich und gleichzeitig so informativ wie die Begegnung mit dem Tenor Francesco Petrozzi. Die Besucher des Abends erfuhren viel über das Leben des Künstlers italienischer Abstammung, das untrennbar mit seiner Heimat Chile verbunden ist. Durch das politische Engagement seiner Eltern ( Vater ist Admiral) ist das Schicksal der Familie intensiv mit den politischen Verhältnissen in diesem Land verknüpft.
Bildhaft schilderte der Sänger die historische Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die geprägt war von den unterschiedlichsten Versuchen, die Probleme der sozialen Ungleichheit anzugehen. Als Mitglied der privilegierten Schicht versucht er, etwas von den Früchten seiner Erfolge an die Unterprivilegierten weiter zu geben. Vor und neben seiner Karriere als Opernsänger in Europa hatte er in Peru große Erfolge als Schlagersänger, Fernsehmoderator und Dokumentarfilmproduzent, in mehreren Videoausschnitten konnten sich die Besucher direkt vom Showtalent des Sängers überzeugen. Das Talent zur Unterhaltung bestimmte auch das Wechselspiel mit der Moderatorin Dr. Christiane Plank, die den unterhaltsamen Redestrom ihres Gastes souverän steuerte. Mit sehr viel Humor und auch Selbstkritik berichtete Francesco Petrozzi über die Anfänge seiner Ausbildung in München und Würzburg. Durch verschiedene Aufenthalte in Peru unterbrochen, begann seine eigentliche Sängerkarriere erst mit 33 Jahren. Den Ausschlag für den Wechsel in das ernsthafte Fach gab eine überstandene Krebserkrankung. Einer kurzen Anfängerzeit in Passau folgte ein Engagement in Essen, wo sein erster Mentor Dr. Stephen Marinaro war, renommierter Studienleiter am Nationaltheater. Er war, wie schon bei vielen anderen Künstlern der Begleiter an diesem Abend - ein Zeichen für das große Vertrauen, das die Künstler in ihn setzen. Nach Gastspielen in Prag, Graz, Amsterdam, Tokio war Franceso Petrozzi im festen Engagement an der Münchner Staatsoper. Von dort lockte ihn Generalintendantin Regula Gerber nach Mannheim. Im Laufe seiner Karriere war er unter anderem in Tosca, Turandot und Carmen zu hören, eindeutige Lieblingsoper ist jedoch La Bohème.
Eindrucksvoll war die Ernsthaftigkeit, mit der Petrozzi über seine Arbeit für die einzelnen Rollen berichtete („die ersten Minuten der Vorstellung bin ich noch ich selbst, dann übernimmt die Rolle“). Wenn die Person nicht mehr mit der Rolle übereinstimmt, hat er das Gefühl, die Partie nicht mehr singen zu dürfen. Aus diesem Grund meint er, nicht mehr die innere Einstellung zu haben, um zum Beispiel die Partie des Rodolfo weiter singen zu können. Seine erste Premiere in Mannheim wird er in der Weltpremiere der Oper Fiesque von Edouard Lalo haben, ein Werk, über das er voller Begeisterung den Freunden und Förderern berichtete. Francesco Petrozzi schätzt das Mannheimer Publikum, hat aber auch die Erfahrung gemacht : „Ihr seid verdammt schwer zu begeistern“. Wenn er irgendwelche Zweifel an der Begeisterungsfähigkeit des Publikums gehabt haben sollte, so müssten diese nach seiner fulminanten Selbstdarstellung und insbesondere nach seinen Gesangsdarbietungen ( Carmen, Zarzuela und zwei neapolitanische Canzoni ) vollständig ausgeräumt gewesen sein. Die Freunde waren begeistert !

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